Tizian mit den Augen eines Zeitgenossen gesehen
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Das Leben des Tizian (Taschenbuch) Giorgio Vasari (1511-1574) war nicht nur der Architekt der Uffizien, er leitete nicht nur zahlreiche Umbauten bedeutender Florentiner Kirchen (u.a. Santa Maria Novella und Santa Croce); und er war auch nicht nur d e r Sachverständige in Sachen Kunst am Hof Cosimo I -- er war auch der erste Biograph der meisten italienischen Renaissance-Künstler; viele davon waren seine Zeitgenossen. Insgesamt verfasste er in seinem "le vite de piu eccelenti pittori, scultori e architettori" über 150 kürzere und längere Biographien.
Im Wagenbach-Verlag erscheinen nun ausgewählte Biographien aus diesem Standardwerk in neuer Übersetzung, mit zahlreichen Abbildungen der wichtigsten Gemälde, auf die Vasari jeweils näher eingeht, und mit exorbitantem Anmerkungsapparat.
Die Tizian-Biographie gehört zu den ausführlichsten in Vasaris Werk, und natürlich ist es reizvoll, Tizian mit den Augen eines zeitgenössischen Kenners zu betrachten. Obwohl der Text über 400 Jahre alt ist, hat er nichts Angestaubtes an sich -- teilweise sicher ein Verdienst der Übersetzerin Victoria Lorini, vor allem aber das Verdienst Vasaris selbst: Er beschreibt Tizians künstlerischen Werdegang in elegantem Plauderton, und er setzt sich intensiv mit dessen spezifischem Malstil auseinander, aber im Gegensatz zur Nachwelt pflegt er seine Ressentiments gegenüber Malern, die andere Schwerpunkte setzen als er selber. Da er diese Ressentiments aber in elegant bis süffisant formulierte Spitzen verpackt, verleidet das nicht die Lektüre -- ganz im Gegenteil! Vasari vermittelt viel Wissen in geistreicher Form.
"Das Leben des Tizian", neu herausgegeben und ausgiebigst kommentiert von Christina Irlenbusch, besteht nicht nur aus Vasaris Text, sondern auch -- neben einer kurzen Einführung und zahlreichen Abbildungen von Tizians bekanntesten Werken -- aus einem über 60 Seiten dicken Anmerkungsapparat (länger als Vasaris Text selbst!), einem tabellarischen Abriss zu Tizians Leben und Werk, einer Bibliographie und einem Verzeichnis der heutigen Standorte seiner Gemälde, geographisch unterteilt in venezianische, europäische und außereuropäische Standorte.
Besonders der mehr als umfangreiche Anmerkungsapparat verlockt natürlich zu genauerem Hinschauen; neben historischen und kunsthistorischen Aspekten geht die Herausgeberin hier natürlich auch auf Unterschiede zwischen Vasaris Bericht und heutigem Wissensstand ein.
Allerdings -- als interessierter Laie habe ich ein wenig das Gefühl, von so viel Information erschlagen zu werden; mitunter lenkt diese Informationsfülle zu sehr von der Hauptsache, nämlich Vasaris Text, ab -- dies jedenfalls mein Eindruck, der sicher nicht objektiv ist. Ich gebe zu: Für meine bescheidenen Bedürfnisse scheinen die etwas magerer geratenen Kommentare meiner schon etwas angestaubten Ausgabe von Fritz Schillmann zu genügen. Aber derlei muss bekanntlich jeder für sich selbst entscheiden.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 5. August 2005
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